The Beach

Apr 26

Bevor der Brite Danny Boyle 2009 den Oscar für „Slumdog Millionaire“ einstecken durfte, verfilmte er mit „The Beach“ 2000 nicht nur seinen ersten Multimillionendollar Film, sondern auch den gleichnamigen Roman von Alex Garland. Boyle hatte zuvor schon mit „Trainspotting“ auf sich aufmerksam gemacht und verpflichtete für seine erste große Hollywoodproduktion gleich den nach „Titanic“ zum Teenieschwarm avancierten Leonardo DiCapiro. Doch hier fingen die Probleme schon an, denn ursprünglich wollte Boyle Ewan McGregor, der auch schon in Boyles „Trainspotting“ mitspielte, für die Hauptrolle, wurde aber vom Studio zu dem deutlich rentableren Publikumsliebling DiCaprio genötigt. Weitere Probleme blieben nicht aus, war doch der im Film zu sehende Strand mitten in einem Naturschutzgebiet und wurde aus Gründen der Ästhetik vom Filmteam komplett umgestaltet. Das wiederum gefiel etlichen Umweltschützern so gar nicht. Ein groß angelegtes Gezerre inklusive gerichtlicher Einigung war die Folge, hielt die Umweltschützer aber nicht davon ab zum Boykott des Films aufzurufen. Und, soviel kann man am Ende wohl festhalten, es war viel Gewese um sehr wenig.

Der Rucksacktourist Richard (Leonardo DiCaprio, der, um das noch zu erwähnen, für diese Rolle für eine goldene Himbeere nominiert war) trifft in einem heruntergekommenen Motel in Thailand den völlig durchgedrehten Daffy (Robert Carlyle), der ihm von einem völlig unberührtem Strand, dem Paradies erzählt. Richard schenkt ihm keinen Glauben, doch als Daffy am nächsten Tag tot in seinem Motelzimmer aufgefunden wird und Richard von ihm eine Karte zu eben jenem Paradies findet, macht er sich mit dem französischen Pärchen Francoise (Virginie Ledoyen) und Étienne (Guillaume Canet) auf den Weg das Paradies zu finden. Und tatsächlich finden sie den Strand und mit ihm eine verschworene Gemeinschaft, die dort nahezu autark lebt. Zunächst scheint es wirklich das Paradies zu sein, doch je länger die drei in der Gemeinschaft leben desto klarer wird, dass nicht alles so paradiesisch ist, wie es scheint.

Der Film wird der wirklich exzellenten Vorlage Alex Garlands leider nur in der ersten Stunde gerecht. Richards Suche nach etwas Besonderem, nach dem totalen Ausstieg und die ersten Tage in der Gemeinschaft sind wahrscheinlich auch wegen der unglaublichen Naturaufnahmen zu 100% gelungen. Dann driftet der Film doch leider etwas ab, und nicht nur von der Vorlage, was, wie ich finde, ein enormer Verlust ist. Der zuvor so paradisische Strand wird in Blut getränkt, als es zu einem Haiangriff kommt und mit eben diesem umzugehen wird schließlich das Ende der Gemeinschaft. Zwar wird die Zerstörung des Paradieses mehr als deutlich, dennoch verliert der Film die großen Fäden, die vorher angefangen wurden komplett aus den Augen. Die für den Film extra gestrickte Dreiecksbeziehung zwischen Richard, Francoise und Étienne, die es so in der Vorlage nicht gab, wird zum Beispiel nie richtig aufgelöst und wirkt deswegen noch unnötiger, als sie es eh schon war. Ebenso der komplexe Charakter der Gruppenanführerin Sal (Tilda Swinton) bleibt am Ende auf der Strecke. Und das ist alles mehr als schade, denn wenn man sich nur etwas mehr an die wirklich gute Vorlage gehalten und weniger Hollywood gewollt hätte, hätte „The Beach“, ebenso wie das Buch, aufgehen können. So allerdings bleibt ein unfertiger Film, der einfach nicht überzeugen kann. Und so kommen wir zurück zu den Umweltschützern und ihrem Boykott: Jeder, der sich diesem Boykott angeschlossen hat, hat nichts verpasst. Traurig aber wahr.

Fazit: 4 von 10 Punkten.

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